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Was ist ein Schwedenhaus?

Was bedeutet der Begriff "Schwedenhaus" überhaupt?

Bei dem Begriff Schwedenhaus denken wir sofort an gemütliche gelbe oder dunkelrote Holzhäuser mit einem roten Ziegeldach und liebevollen Verzierungen. Wir denken an Kinder, die umgeben von einem weißen Lattenzaun, barfuß auf einer bunten Blumenwiese spielen. Das Wort Schwedenhaus ist bei vielen Menschen in Deutschland von den Einflüssen der Geschichten unserer Kindheit, aus Bullerbü und Lönneberga, geprägt.

So stellen wir uns die Frage: Was ist ein Schwedenhaus genau?

Für uns Deutsche, ist ein Schwedenhaus zuerst immer „ein Haus aus Schweden“. Diese allgemeine Auffassung entspricht jedoch nicht ganz der Wahrheit. - Dass ein echtes Schwedenhaus nur aus Schweden kommen kann, ist ein Irrglaube!

In Schweden, Dänemark und Norwegen, ist das was wir als Schwedenhaus bezeichnen, nichts anderes als ein „Trähus“, übersetzt Holzhaus. Holzhäuser werden schon seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt gebaut. Alte Deutsche Holzhäuser sind in der Regel Fachwerkhäuser mit ausgemauerten Gefachen. So dominiert dort ein roter Ziegelstein oder Verputz die Fassade. Sichtbare Holzfassaden sind eher in den Gebirgsregionen Deutschlands präsent. Dort wurden aber die Fassaden meist mit unbehandelten Holzschindeln oder Brettern, die mit der Zeit dunkler wurden, anstelle von farbenfrohen Fassadenbrettern verkleidet. Wäre dem anders, und wir hätten eine farbenfrohere Holzbauweise etabliert, hätten sich die Deutschen vielleicht niemals den Begriff Schwedenhaus ausgedacht. Fakt ist also: ein klassisches Schwedenhaus ist zuerst einmal ein Holzhaus.


Was macht aus einem Holzhaus ein Schwedenhaus?

Wie grenzt sich nun das Schwedenhaus von allen übrigen Holzhäusern ab? - Einzig und allein durch die Bauweise und die verwendeten Materialien. Ein Holzhaus in skandinavischer Holzrahmenbauweise, definiert den Begriff Schwedenhaus sehr präzise. Dabei ist es nicht wichtig ob das Haus in Schweden, Dänemark oder Deutschland gebaut wird. So lange die Konstruktion den skandinavischen Konstruktionsbeispielen folgt und der Bausatz aus skandinavischen Materialien gefertigt worden ist, kann man von einem echten Schwedenhaus sprechen.

Was macht ein Schwedenhaus so besonders?

Ökologische Bauweise in Holz

Grundsätzlich ist bauen mit Holz nachhaltig und ökologisch sinnvoll. Diese Gemeinsamkeit teilen alle Holzhäuser. - Echte Schwedenhäuser unterscheidet aber einiges von anderen Holzhäusern. Ein Schwedenhaus ist vollkommen anders konstruiert ist als zum Beispiel ein Holzhaus aus Deutschland. Die deutsche Fertigbauweise in Holz lebt traditionsgemäß von großen Querschnitten und „dicken Hölzern“. In Deutschland vertritt man die Auffassung „viel hilft viel“. Die skandinavische Holzrahmenbauweise ist vom Gedanken des rationellen Bauens geprägt. In Schweden und Norwegen, hat sich mit den Jahrzehnten eine Konstruktionsweise entwickelt, die mit dem deutschen Verständnis der Holzrahmenbauweise, oft mit dem Wort „Streichholzkonstruktion“ beschrieben wird.

Wegweisende Energieeffizienz und Technologieträger

Das liegt daran, dass man sich in Skandinavien bereits sehr früh Gedanken um eine energieeffiziente Bauweise gemacht hat, um Wärmeverluste während der kalten Wintermonate zu reduzieren. Aus diesem Grund, hat man die tragende Konstruktion extrem verschlankt um möglichst viel wärmedämmendes Material in den Wänden unterbringen zu können. Dies funktionierte, weil die in Skandinavien vorkommenden Nadelhölzer vergleichsweise hart und fest sind. Der Grund dafür ist, dass die Bäume durch das vergleichsweise kalte und raue Kima in Skandinavien nur sehr langsam wachsen. Das durchschnittliche Alter eines Baumes, dessen Holz in Schwedenhäusern zur Verwendung kommt, beträgt ca. 80-100 Jahre.

Industriell gefertigte Schwedenhäuser waren dadurch, vom Fleck weg, der deutschen Holzbauweise überlegen. So ist das, was in Deutschland in den 80er und 90er Jahren als Niedrigenergie- und Passivhausbauweise bekannt geworden ist, in Skandinavien schon seit vielen Jahren Standard gewesen. Die Energieeffizienz von Schwedenhäusern hat sich mit den Jahren noch durch die Verwendung von Fenstern mit Dreifachverglasung verbessert. Auch die Verwendung innovativer Haustechnik wie Luft- oder Erdwärmepumpen und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, haben Schwedenhäusern einen Vorsprung gegenüber allen anderen Bauformen verschafft.

Als krönenden Abschluss kann man die Verwendung des sogenannten „Thermo-Fundaments“, bezeichnen. Das Thermo-Fundament ist auch als „Schwedenplatte“ bekannt. Hierbei handelt es sich um eine stark gedämmte Fundamentplatte fast ohne Wärmebrücken. Hierdurch ist es möglich Fußbodenheizungen mit geringer Wassertemperatur zu betreiben. Der im Fundament verwendete Beton dient dann als Wärmespeicher. Dies hat den Energiebedarf und die Energieeffizienz der Schwedenhäuser zusätzlich positiv beeinflusst. Alle diese Innovationen haben dafür gesorgt, dass Schwedenhäuser bis in die 2000er hinein die, energieeffizientesten Häuser überhaupt gewesen sind. Auch heutzutage gibt es wenig alternativen zum Schwedenhaus in Bezug auf die Energieeffizienz.

Unvergleichliches Wohnraumklima

Jeder, der sich schon einmal in einem Schwedenhaus aufgehalten hat, erinnert sich an das unvergleichlich behagliche Gefühl im Haus. Dieses besondere „Wohnklima“ entsteht durch die Verwendung von „warmen“, emissionsfreien Baustoffen im Zusammenspiel mit einer gut eingestellten automatischen Wohnraumbe- und Entlüftung. Hierdurch wird die Raumluftfeuchte immer auf einem angenehmen Niveau gehalten. Gleichzeitig werden Staub und Co2 aus den Räumen entfernt und gefilterte Außenluft strömt nach. Nach diesem Prinzip, wird unbemerkt alle 1,5-2 Stunden die gesamte Luft im Haus „ausgetauscht“. Besonders für Allergiker ist ein Schwedenhaus ein Ort zum Durchatmen.

Haltbarkeit und Holzschutz

Bei der Konstruktion eines Schwedenhauses, fließen viele Gedanken dem konstruktiven Holzschutz zu. So soll das, den äußeren Einflüssen ausgesetzte Holz, bestmöglich vor Verwitterung geschützt werden. Ebenso soll Feuchtigkeit von der tragenden Konstruktion ferngehalten werden, damit das Haus über Generationen hinweg beständig bleibt. Dies gelingt unter anderem dadurch, dass man die Fassade durch einen Luftspalt von der Fachwerkskonstruktion trennt. So kann Luft zwischen der Fassadenverkleidung und der Ständerkonstruktion zirkulieren und eventuell angefallene Feuchtigkeit abführen.Ebenfalls versucht man, durch große Dachüberstände, die Holzfassade vor Schlagregen zu schützen, um sie so lange wie möglich trocken zu halten. Unterstützt wird der Schutz der bewitterten Bauteile durch den Einbau von konstruktiven „Tropfkanten“ und der Verwendung von speziell angepassten Blechen, damit Regen- und Schmelzwasser sicher an der Fassade abgeführt wird. So kann Wasser nicht über Anschlüsse und Details in die Konstruktion gelangen.

Die Oberfläche der Holzfassade eines Schwedenhaus ist immer sägerau ausgeführt. Im Gegensatz zu gehobelten Hölzern, hat man so eine größere Fassadenoberfläche. Hierdurch ergeben sich vorteilhafte Eigenschaften. Sägeraue Fassadenbretter haben im Gegensatz zu gehobelten Brettern, offene Poren. So verbindet sich eine Fassadenbeschichtung besser mit dem Holz und blättert nicht so leicht ab. Heutzutage werden überwiegend ölhaltige oder umweltfreundlichere, wasserbasierte Holz-Wetterschutzfarben zur Fassadenbeschichtung verwendet. Die Verwendung der „Schlammfarbe“ Falunröd, die mit Schwedenhäusern stets in Verbindung gebracht wird, ist eher durch Zufall, bzw. aus der Not heraus entstanden, da man um Kosten zu sparen den Schlamm aus der Kupfermine im schwedischen Ort Falun benutzt hat um das Holz damit zu streichen. Zum Schutz vor Holzschädlingen, werden alle verwendeten Hölzer technisch getrocknet. Laienhaft dargestellt werden dabei die Hölzer in einem Vakuumofen „gebacken“. Die Chemie innerhalb des Holzes verändert sich dadurch derart, dass Holzschädlinge keinen Geschmack mehr am Holz finden und der Konstruktion fernbleiben. So kann man ganz ohne chemische Zusatzstoffe das Holz schützen. Positiver Nebeneffekt: getrocknetes Holz „arbeitet“ nicht mehr so stark. Das Haus „bewegt“ sich nicht mehr so sehr.

Zusammenfassung: Eigenschaften echter Schwedenhäuser:

Holzrahmenbauweise nach skandinavischem Vorbild
Verwendung von Baustoffen skandinavischer Herkunft
Energieeffiziente Bauweise – Dadurch geringe Wärmeverluste
Ein Wohnklima zum „Durchatmen“ (perfektes Verhältnis von Wärme und Luftfeuchtigkeit)
Stabil, haltbar und ressourcenschonend